Jahresbericht 2002

8. Michael Lukas Moeller ist tot – ein Nachruf

Die plötzliche Diagnose Krebs, die wenigen verbleibenden Wochen bis zum Tode, die heitere Bilanz eines erfüllten Lebens, der schmerzliche Abschied, doch ohne Bitterkeit – ein bedeutsamer Mensch starb im letzten Jahr: Michael Lukas Moeller.

Er war einer der bekanntesten und produktivsten Paartherapeuten der Bundesrepublik, eine Koryphäe auch auf diesem Gebiet. Davon zeugen seine Bücher zum Thema Liebe und Partnerschaft: Die Liebe ist das Kind der Freiheit (1. Auflage 1986, weitere bis 2000); Die Wahrheit beginnt zu zweit. Das Paar im Gespräch (1. Auflage 1988, weitere bis 2000); Worte der Liebe. Erotische Zwiegespräche (1. Auflage 1996, weitere bis 2000); Gelegenheit macht Liebe. Glücksbedingungen in der Partnerschaft (1. Auflage 2000).

Buecher von Michael Lukas Moeller

Prof. Dr. med. Michael Lukas Moeller war Psychoanalytiker und bis 2002 Direktor des Institut für Medizinische Psychologie am Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt. Im Jahre 2000 erhielt er für seine Verdienste zur Wissenschaft von der Liebe den Otto-Mainzer-Preis, eine internationale Auszeichnung.

Wir verdanken ihm viel, persönlich durch seine bereichernde Wirkung, fachlich durch seine ausstrahlende Meisterschaft in Paartherapie und tiefenpsychologischem Wahrnehmen und Denken.

Als Beratungsteam beschäftigten wir uns schon vor zehn Jahren mit seinem Ansatz der „Zwiegespräche“, schauten Lehrvideos von ihm an, lasen und diskutierten seine Bücher, erlebten ihn in Gesprächen und Diskussionen. In Anlehnung an seine Zwiegesprächsregeln zur Verbesserung des Paardialoges und zur Selbstentwicklung in Beziehungen entwarfen wir in unserer Stelle „Regeln der Paarkommunikation“. Diese gaben und geben wir vielen Paaren mit, damit sie mit ihrer Hilfe eine bessere, entwicklungsträchtigere Form des Miteinander-Sprechens in Art einer regelmäßigen Hausaufgabe üben.

Michael Lukas Moeller war kein Fast-food-Therapeut, der mit oberflächlichen Rezepten kurzfristige Heilung versprach, kein Strohfeuer- oder Mode-Therapeut, wie sie alle Jahre wieder boomen. Er wusste um die Tiefe des Menschseins, um die Abgründe und Höhen existenzieller Beziehungsfragen, um die Liebes-Mühen vor dem Erreichen des Beziehungsglücks.

Er kritisierte den Machbarkeitswahn und die Dominanz des Geschäftigen, der Wirtschaftlichkeit und der Arbeitswelt gegenüber dem Lebendigen, dem Fühlen und der Beziehungswelt.

Professor Moeller war nicht kirchengebunden, aber meines Erachtens ein spiritueller Mensch, der in tiefer Selbst- und Beziehungserfahrung eine Schnittstelle zur Religiösität in einem umfassenderen, nicht konfessionellen Sinne sah. Wir haben Abschied genommen und um ihn getrauert. Begraben ist Michael Lukas Moeller auf dem Bornheimer Friedhof in Frankfurt am Main. Am 7. Juli endete das Trauerjahr. Wir erinnern uns und lassen ihn durch unsere Arbeit weiter wirken.

Michael Gallisch

Zitat Prof.Dr.med.M.L.Moeller:
„Unser ganzes gelebtes Leben wird durchgehend von einem entscheidenden Moment geprägt: Unseren bedeutendsten Beziehungen. Sie v.a. machen nach Umfragen das Glück oder Unglück, den Sinn unseres Daseins aus. Sie bestimmen unsere wirkliche, die seelische Lebensqualität, welche die materielle Lebensqualität des Warenkorbes an Bedeutung um ein Vielfaches übertrifft. Sie stellen die „Existenz der Existenz“ dar. Sie sind im wirklichen Sinn lebensentscheidend, weil sie das Maß dafür bieten, ob es vor unserem Tode ein Leben gegeben hat.“ (M. L. Moeller - Zwiegespräche in der psychotherapeutischen Praxis, in: M. Wirsching/P. Scheib -Paar- und Familientherapie, 2002, S.275).

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