Jahresbericht 2002

4. Die Beratungsstelle in Entwicklung
4.3. Das Erziehungs- und Familienberatungszentrum

Mindmap: das integrierte Erziehungs- und Familienberatungszentrum mit verschiedenen Fachbereichen


4.3.1 Bisherige Organisationsstruktur

Die bisherige Organisationsstruktur innerhalb unseres Regionalen Diakonischen Werkes war aufgrund langer Tradition gekennzeichnet durch ein Nebeneinander verschiedener Fachabteilungen. Von einem 1-Mann-Betrieb vor über 30 Jahren wandelte sich die institutionalisierte Diakonie zu einer regionalen Organisation mit mehreren Fachabteilungen und Dienstsitzen in verschiedenen Städten.

Die frühere Allgemeine Lebensberatung war als sozialarbeiterischer Ansatz für alle sozial schwachen, verschuldeten, mit Problemen innerhalb des Lebens- und Familienzyklus belasteten, behinderten oder psychisch kranken Menschen zuständig, so ähnlich wie der Allgemeinmediziner als Hausarzt erste Ansprechadresse für die unterschiedlichsten Beschwerden (Erkrankungen) ist. So wie im Medizinsystem immer mehr Fachärzte entstanden, so entwickelten sich spezialisierte Fachbereiche in der Diakonie, die nicht mehr nur aus Kirchenmitteln, sondern aus den unterschiedlichsten Quellen finanziert wurden. Das brachte eine hohe fachliche Differenziertheit und den Anschluss an verschiedene fachliche Traditionen und Spezifikationen mit sich. Fachabteilungen arbeiteten nebeneinander, z. T. mit denselben Fällen (Familien mit Multiproblematiken) in Kooperation befasst.

Die Arbeitsbereiche unterstanden dem Dekanatsstellenleiter und berichteten ihm regelmäßig von ihren Arbeitsschwerpunkten, Entwicklungen und Kooperationen. Der Kommunikationsfluss war damals mehr leiterzentriert als auf der Ebene der Fachbereiche miteinander vernetzt. Das Organigramm war hierarchisch aufgebaut (siehe Schaubild unten).

Von einem heutigen, sehr kritischen Standpunkt aus würde man von „Versäulung" mit „Sitzkooperation" sprechen, d. h. das ganze Beratungsgebäude fußte auf nebeneinander stehenden Säulen, den einzelnen Fachbereichen (Allgemeine Lebensberatung, Schuldnerberatung, Psychisch-Kranken-Arbeit, Altenarbeit, Migrationsberatung, Psychologische Beratung, Wohnsitzlosenarbeit etc.). Diese setzten sich ein bis zwei mal im Jahr zusammen, teilten sich ihre unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkte, Zielgruppen und Methoden mit und kooperierten manchmal in Einzelfällen.

Von starren Organigrammen
zur Integration flexibler Funktionsbereiche
Organigramm einer hierarchischen Organisation mit Fachbereichen nebeneinander
Organigramm einer flexiblen Organisation mit vernetzten Fachbereichen und flacher Hierarchie


4.3.2 Integriertes EFBZ-Modell der Zukunft

Mit dem Erziehungs- und Familienberatungszentrum ist eine zeitgemäße Umstrukturierung modellhaft angezielt, die eine Integration verschiedener Fachbereiche im Auge hat. Dabei soll Integration mehr als Vernetzung bzw. Kooperation bedeuten.

Es gibt institutionalisierte Querstrukturen, die arbeitsbereichsübergreifend sind. Verschiedene Fachbereiche haben eine Leitung, die MitarbeiterInnen der einzelnen Teams sind in einem ständigen Austausch über die bisherigen Traditionen hinaus, in einem produktiven Integrationsprozess zum Wohle der beratenen Familien. Notwendige hierarchische Elemente in der Organisationsstruktur sollen „flach" gehalten werden; wechselseitiges Lernen voneinander, Respekt in der Anerkennung der Spezialisierung bei notwendiger integrierter Zusammenarbeit soll handlungsleitend sein und die gesamte Mitarbeiterschaft kann sich hin zu einer lernenden Organisation weiterentwickeln.

Die Hauptmethode der integrierten Zusammenarbeit soll das „Fallmanagement„ sein, eine mehr als 100 Jahre alte Methode aus der Sozialarbeit, die auch in anderen Bereichen, z. B. der Medizin, erfolgreich Einzug hielt. Ein Berater/Eine Beraterin ist als Erstkontakt die Fachkraft, die bei „Multiproblemfällen“ mit der Familie einen Hilfeplan erarbeitet, sie durch den für Ratsuchende z.T. unübersichtlichen Hilfemarkt geleitet, interne und externe Fachdienste hinzuzieht und die notwendigen Hilfsmaßnahmen als Fallmanager/in koordiniert. Das erfordert viele Umstellungen in fachlicher und persönlicher Hinsicht.


3.3. Entwicklungsschritte zum EFBZ - Integration verschiedener Fachbereiche
 

Im Juni 2002 fand die so genannte „kick-off`-Veranstaltung, d.h. der Startschuss zur Umsetzung des EFBZ statt. Auch wenn wir bis dato keine sicheren Informationen über die politische Entscheidung des Kreises hinsichtlich des Ausbaues der Erziehungsberatung innerhalb unseres Hauses hatten, wollten wir intern den Weg zur Integration beschreiten. Dieser Prozess wurde von Beginn an extern begleitet durch den Supervisor Kurt Faller.

Da eine organisatorische Weiterentwicklung von der Leitung zwar konzeptualisiert und initiiert werden kann, letztlich aber getragen wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in der Beratungsarbeit, in den Kontakten mit den Rat und Hilfe suchenden Menschen die Diakonie erst lebendig werden lassen, wurde von Anfang an auf die Mitbeteiligung der Mitarbeiterschaft großen Wert gelegt. Die Beraterinnen und Berater aus der Allgemeinen Lebensberatung, der Migrationsberatung und der Psychologischen Beratung trafen sich mit der Leitung unseres RDW, zusätzlich wurde die Mitarbeitervertretung eingeladen.

Das Vorhaben wurde noch einmal verbindlich dargestellt und Umsetzungsschritte in einem Organisationsentwicklungsprozess über mehrere Phasen vorgestellt. Damit wurde der Rahmen skizziert, der Leitlinien für die weitere Entwicklung vorgab, innerhalb derer die konkreten Umsetzungen unter Mitarbeiterbeteiligung erarbeitet werden konnten: Erziehungs- und Familienberatungszentrum, gemeinsame Leitung, Fallmanagement, fachbereichsübergreifende Integration. Der Organisationsentwicklungsplan - wie in den einzelnen Teams vorbereitet - sollte unter Bewahrung der Fachdienstprofile umgesetzt werden.

Fusion von Allgemeiner Lebensberatung, Fachstelle für Migration und interkulturelle Beratung, Psychologischer Beratung, d.h. eine Leitung seit Juni 2002:

corporate design-Flyer: Allgemeine Lebensberatung - Neue Wege finden. corporate design-Flyer: Psychologische Beratung - Wenn die Differenzen zu gross werden. corporate design-Flyer: Fachstelle fuer Migration und interkulturewlle Beratung - Integration statt Ausgrenzung.

Zusammenlegung von Beratungsfachdiensten

Gespräche, um die Suchtberatung des Dekanates Rodgau mit zu integrieren, sind noch nicht endgültig abgeschlossen.

Mit der Schuldnerberatung unseres RDW wurde der Kontakt aufgenommen, um sie in einer späteren Entwicklungsphase zu integrieren.

corporate design-Flyer: Schuldner- und Insolvenzberatung - Einen Ausweg finden.

Im Oktober 2002 kam als weiterer Schritt hinzu, dass eine halbe pädagogische Fachkraft, personell identisch mit einem Halbtagsmitarbeiter der Eheberatungsstelle, für die Evangelische Dezentrale Familienbildung vom Diakonischen Werk zunächst befristet eingestellt wurde. Damit gelang nach vielen Vorarbeiten auf unterschiedlichen Ebenen die „Rettung" dieser familienunterstützenden Angebote. Die Überleitung von der bisherigen Trägerschaft von der Frauenhilfe in die Kooperation von Dekanaten und RDW wurde unsererseits begonnen.

Die Übergabe des Tagesgeschäftes von der bis Anfang d. J., bis zu ihrer Pensionierung mitarbeitenden pädagogischen Fachkraft Christa Liebl-Wachsmuth (ex: Schirrmeister-Praag) gelang dankenswerterweise in hervorragender Kooperation.

Die „neue“ Evangelische Dezentrale Familienbildung: Kooperation von Kirchendekanaten Dreieich und Rodgau sowie Regionalem Diakonischen Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau
Organigramm der Evangelischen Dezentralen Familienbildung Dreieich-Rodgau: Zusammenarbeit von Diakonischem Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau und den Kirchendekanaten Dreieich und Rodgau

Seit Anfang 2003 ist auch die Verwaltungskraft dort mit einer halben Stelle bei uns angestellt. Wir als Diakonie konzentrieren uns in dieser Kooperation mit den Kirchendekanaten - Dreieich stellte für Mitte Februar eine pädagogische Fachkraft als Leiterin ein; Rodgau ist gerade dabei - auf die Förderung und Erstellung von präventiven und beratungsbegleitenden Angeboten für Familien, um so einen weiteren Bestandteil unseres Erziehungs- und Familienberatungszentrums aufzubauen. Insbesondere der Gesichtspunkt der nachhaltigen Prävention von Familienproblemen, die zu einer Inanspruchnahme von Beratungsleistungen nach dem Kinder– und Jugendhilfegesetz (KJHG) führen, war für uns handlungsleitend. Förderung in der Erziehung (§16 KJHG) ist somit verwirklicht, ein weiterer, wichtiger Baustein des EFBZ ist da. 

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Kapitel 4.1.: Rahmenbedingungen Kapitel 4.2.: Aktivitäten unseres regionalen Diakonischen Werkes Kapitel 4.4.: Das Projekt Organisationsentwicklung Kapitel 4.5.: Implementierung Kapitel 4.6.: Gemeinsame Kultur Familienberatung und -bildung