Jahresbericht 2003

4. Abschlusspräsentation EFBZ am 02.12.2003 — Ein Werkstattbericht aus Sicht des Projektleiters (Henning Merker)>
Sehr geehrter Herr Glaub, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich außerordentlich, Ihnen heute unseren letzten Meilenstein des Organisationsentwicklungsprozesses des EFBZ vorstellen zu können.

Vorab möchten ich ganz besonders allen Kolleginnen und Kollegen herzlichst danken, die bereit waren, bestehende Strukturen, in denen sich das tägliche Beratungsgeschäft abspielt, zu überprüfen und sich zumindest am Anfang des Organisationsentwicklungsprozesses EFBZ auf Neuland einzulassen

Die Hintergründe des im Juni 2002 begonnen Projektes setzten sich u.a. aus folgenden Aspekten zusammen:

  • Anforderungen, die sich extern ergeben haben, bke-Studie (Bundeskonferenz für Erziehung) mit der Ausbauempfehlung von Erziehungsberatung im Kreis Offenbach.
  • Anforderung der EKHN, ein Konzept zur integrierten psychologischen Beratung aufzubauen und umzusetzen.
  • Anforderung seitens der öffentlichen .Kostenträger, mittel- und langfristig auf vernetzte Beratungsangebotsstrukturen zu setzen, d.h., dass auf Dauer keine exklusiven, in Schubladen befindlichen Beratungsangebote mehr solitär finanziert werden.
  • • Eine weitere, seit Jahren existierende Anforderung bestand bzw. besteht darin, die immer wiederkehrenden jährlichen Vertragsverhandlungen mit der immer wiederkehrenden, nur jährlichen Verlängerung um jeweils ein Jahr auf festere Füße zu stellen, d.h. einen dauerhaften Vertrag mit dem Kreis Offenbach zu erhalten. Dieser Punkt hängt unmittelbar mit den vorher geschilderten Punkten zusammen.

Weitere Hintergründe aus rDW-interner Sicht:

  • Die bestehenden Angebote rund um Familie (Allgemeine Lebensberatung, Schwangerenberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Fachstelle für Migration und interkulturelle Beratung, Familienbildung und Schuldnerberatung), galt es, über die bestehende, bisherige Zusammenarbeit hinaus integrativ zu vernetzen.
  • Verbesserung der oben genannten Hilfsangebote für unsere Klientinnen und Klienten. Navigation der Ratsuchenden durch die für die Hilfe notwendigen Beratungsangebote mittels des Fallmanagers/der Fallmanagerin. Hierdurch müssen nicht die Klienten, die für sich notwendigen Hilfsangebote nach Verweis dorthin koordinieren, sondern die Fallmanagerin/der Fallmanager übernimmt diese Aufgabe. Der besondere Vorteil liegt u.a. auch darin, dass der Hilfeprozess, soweit sich herausstellt, dass Dienste des rDW in Anspruch genommen werden, in der Hand des Fallmanagers verbleiben bis der Fall abgeschlossen ist.
  • • Synergetische Verbindung von den bestehenden Beratungsdiensten hin zu einem Erziehungs- und Familienberatungszentrums. D.h. durch die intensivere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fachdisziplinen entsteht ein Mehr an Transfer zwischen den einzelnen Bereichen der Beratungsdienste des rDW. Dies bedeutet, dass „Reibungs-Verluste“ gegenüber dem vorherigen eher „autonomem Dasein“ der Beratungsdienste verhindert bzw. verringert werden.

Die vorab kurz dargestellten Ausführungen möchte ich nun umfassender konkretisieren.

Darstellung der Abläufe/Schwierigkeiten innerhalb der Entwicklungsphase des EFBZ

Der gesamte Prozess hin zum EFBZ war und ist getragen von einem mitarbeiterinnenorientierten fachlichen Diskurs, der aus dem jeweiligen Focus des jeweiligen Fachprofils hervorgebracht wird. Hierzu war und ist aus Sicht der Projektleitung immer wieder zu beachten, dass eine Verallgemeinerung der jeweiligen Beiträge in Richtung auf ein Miteinander innerhalb des Fallmanagements stattfinden kann. Hintergrund war und ist, dass gerade bei den Fallbesprechungen der Modellfälle, die Lösungsansätze der jeweiligen MitarbeiterInnen aus den unterschiedlichen Beratungssegmenten, stark von deren Fachlichkeit und „Know-how“ des jeweiligen Bereiches geprägt sind.

Der fachliche Focus ist zweifelsohne ein wichtiger Bestandteil der im EFBZ vorgehaltenen Qualität der Beratung. Das EFBZ ist aber mehr als die Summe der einzelnen Fachdisziplinen und deren Professionalität. Die Besonderheit des EFBZ besteht nämlich insbesondere in dem Gebrauch und der Steuerung der Fachlichkeit zum Wohle der Klienten durch das Steuerungsmodul Fallmanagement.

Hier war es im Rahmen der Entwicklungsphase besonders wertvoll, dass die Kolleginnen und Kollegen sich den Mehrwert für das Klientel, durch eine vernetzte Zusammenarbeit mit dem Steuerungsmodul Fallmanagement vor Augen führen konnten.
Dies war und ist, gerade durch die Durchmischung der Tandems aus je zwei Fachkräften aus unterschiedlichen Fachabteilungen, die sich mit der Erarbeitung der verschiedenen Phasen beschäftigt haben, hervorragend gelungen. Den Beteiligten wurde durch die Tandemarbeit interdisziplinärer Natur vor Augen geführt, dass es neben der eigenen Sichtweise auf beraterische Sachverhalte noch andere Betrachtungsmöglichkeiten geben kann und das der schon beschriebene Mehrwert eben dadurch entsteht, dass mit einem Instrumentarium wie dem des Fallmanagement das Möglichste für die Rat und Hilfe suchenden Menschen getan werden kann.

Die am Anfang noch wahrnehmbaren Tendenzen hin zu einem eher kritischen Betrachten der Gesamteinheit EFBZ verschwanden durch die intensive Zusammenarbeit der einzelnen Tandems einerseits und durch den sich einstellenden Mehrwert hin zu einer gemeinsamen Sache andererseits.
Entscheidend in der Entwicklungsphase waren u.a. die eingebauten Zwischenschritte an den Stellen, bei denen auf den ersten Blick alles glatt zu laufen schien. An diesen Punkten gab es immer wieder Diskussionsbedarf, gerade im Hinblick auf tiefer gehende, beratungsinhaltliche Zusammenhänge. Auf den ersten Blick schienen die Schritte zurück als ein hinderliches Moment den Prozess zu stören. Nach den Diskussionen führten sich die Beteiligten allerdings schnell vor Augen , wie wichtig und notwendig das wiederholte Sich-darauf-Einlassen war. Dies umso mehr, da Wiederholungsschleifen gedreht werden konnten, um die vorhergehenden, schon abgearbeiteten Prozessverläufe nochmals einer Überprüfung zu unterziehen.

Hierzu ein kurzer Exkurs:
Das Vernetzen von Beratungsdiensten ist sicherlich ein formal und objektiv relativ einfach durchzuführendes Szenario. Schwieriger ist es jedoch, verschiedene Beratungsfachdienste in ein neues Gebilde wie das EFBZ zu integrieren. Die Integration setzt nämlich neben der formalen Vernetzung auf objektiv wahrnehmbarer Ebene ein subjektives Moment der fließenden Zusammenarbeit in einem gemeinsamen System voraus.

Hierbei geht es darum, einerseits der eigenen fachlichen Profession gerecht zu werden und andererseits eben dieses Können und Wissen dem Ganzen (EFBZ), zur Verfügung zu stellen.
Darin bestand im Grunde die Schwierigkeit bzw. die Herausforderung in der Entwicklungsphase. Der vorhergehend beschriebene schwierige Prozess innerhalb der Entwicklungsphase fand sein Gelingen nicht zuletzt im Zusammenspiel von subjektiven Momenten innerhalb der MitarbeiterInnen der einzelnen, im EFBZ teilnehmenden Arbeitsbereiche, d.h. dass ein Paradigmenwechsel emotionaler Art darin bestand, einen Fall nicht vom Erstkontakt bis zu seinem Abschluss komplett zu haben, sondern ggf. nur ein Mosaikstein in einem Hilfeprozess zu sein.

Andererseits musste erkannt werden, dass ein neuer Bereich des beraterischen Handelns sich dazu gesellen würde, nämlich als Navigator bzw. Casemanager primär das Organisieren der Hilfe zu übernehmen und die Fäden im Sinne von Sammeln der Rückläufe der Beratungsergebnisse bei gleichzeitigem Rückkoppeln an die Beteiligten zu organisieren.

Wichtig bei diesem Prozess war u.a. zu erkennen, sich und seine Fachdisziplin zu Gunsten der Gesamteinheit (EFBZ), zurückzunehmen und gleichzeitig mit dem fachlichen „Know-how“ im Rücken, für die Klientel einem effektiven Hilfesystem zu dienen.

Insgesamt ist festzustellen, dass die Entwicklungsphase ca. ein Jahr mehr Zeit beanspruchte als geplant. Dies hing allerdings – neben der Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen und den entsprechenden Turbolenzen - mit den geschilderten Reflektionsschleifen zusammen, die es zu drehen galt. Für die beteiligten MitarbeiterInnen war die Entwicklungsphase aus Sicht der Projektleitung eine Arbeitserfahrung, die einen Paradigmenwechsel einläutete in Richtung eines Beratungsmodells (EFBZ), welches die Fachlichkeit einer jeden Beraterin/eines jeden Beraters benötigt und diese integrativ innerhalb des Fallmanagements zum Einsatz bringt.

Die Rahmenbedingungen die hierfür notwendig sind wurden nicht von der Leitung oder Projektleitung vorgesetzt sondern wurden - resümierend betrachtet - in den Arbeitsgruppen dezidiert erarbeitet. Letzteres ist auch ein Garant für das Gelingen des EFBZ.

Henning Merker

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