Jahresbericht 2000/01

8. Rückblick auf über 20 Jahre Psychologische Beratungsarbeit anlässlich der Pensionierung von Gerlinde Ravensberger, Verwaltungskraft, und von Ingrid Paál, diakonische Mitarbeiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der erster Stunde

Im Frühjahr 2001 ging zuerst Gerlinde Ravenberger, Verwaltungskraft seit ca. 15 Jahren in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Dreieich/Langen, in Pension. Einige Wochen später ging auch Ingrid Paál in ihren Ruhestand nach beinahe einem Viertel Jahrhundert psychologischer Beratungsarbeit in der EFLB.

Für uns ist dies Anlass, einen Rückblick auf die Entwicklung unserer Stelle zu werfen, die von Ingrid Paál mitbegründet wurde. Am 01.02.1978 begann sie als Ehe- und Familienberaterin in Dreieich in der Poststraße halbtags auf Honorarbasis für das Diakonische Werk zu arbeiten. Mehrere Monate vorher war eine Außenstelle der Psychologischen Beratungsstelle der Caritas aus Offenbach an drei halben Tagen in Dreieich eröffnet worden.

Im Januar 1980 wurden die Caritas und die Diakoniestelle zu einer, für den Westkreis Offenbach zuständigen, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Dreieich, Frankfurter Straße 42, zusammengelegt.

Am 30.04.1980 fand die offizielle Einweihung dieser Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Dreieich statt mit den Beraterinnen Ingrid Paál (Diakonie) und Maria Adam (Caritas). Gäste dieser Einweihungsfeier waren u.a. der damalige Dekan Hans-Jürgen Ehrenfort, der Geschäftsführer des DWHN Heinz-Günther Gasche, die Leiterin der Caritas-Beratungsstelle in Offenbach Dipl.-Psych. Ingrid Jost, der erste Kreisbeigeordnete Alfons Faust sowie der damalige Dekanatsstellenleiter Christian Klett.


Offenbach-Post Mai 1980
Offenbach-Post 3./4. Mai 1980

 

 

 

 

 

Frankfurter Rundschau und Dreieichspiegel zur Stelleneröffnung 1980

Ausdruck der damaligen engen Kooperation war auch der gemeinsame Briefkopf von Diakonie und Caritas:

Über die Jahre hinweg wurde von Frau Paál und anderen qualifizierte, solide und hilfreiche Beratungsarbeit geleistet.

Dreieich Stadtanzeiger 18. Mai 1982

 

Dreieichspiegel Juni 1981

Die Fallzahlen nahmen mit dem Bekanntheitsgrad und dem guten Ruf der Stelle zu.

Offenbach-Post 4. März 1986

 

Dreieich-Stadtanzeiger 14. Juli 1987

Die Menge dieser Anmeldezahlen rief nach einer Ausweitung des Teams, das inzwischen in Trägerschaft des Diakonischen Werkes die Beratungsstelle betrieb, weiterhin eng verbunden zur Caritas-Beratungsstelle in Offenbach blieb. Folgende Personen waren Teil der Entwicklung und Geschichte der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFLB):

Nach 10 Jahren waren mehr als eintausend Menschen mit ihren Problemen in die Dreieicher Beratungsstelle gekommen.

Offenbach-Post 29. Oktober 1989

Die Außenwahrnehmung einer Paar- und Familienberatungsstelle ist zum Teil sehr unterschiedlich, da Beobachter, Betroffene, Fachkolleginnen und -kollegen, Politikerinnen und Politiker, Kirchenleute, die Presse usw. unterschiedliche Informationen über uns aufnehmen. Das mag auch damit zusammenhängen, dass das sehr persönliche, individuelle und je nach Beratungsanliegen sehr unterschiedliche Vorgehen in der Beratungtungsarbeit, die streng dem Datenschutz verpflichtet ist, sich für Veröffentlichungen nicht gut eignet. Beispiele für diese unterschiedliche Wahrnehmung sind verschiedene Aufmacher zum 10-jährigen Jubiläum der Beratungsstelle in 1989:

Dreieichspiegel Oktober 1989
Dreieichspiegel Oktober 1989

 

In diesem Jahr 1989 fand auch der Umzug von der Frankfurter Straße in die Robert-Bosch-Straße gegenüber dem damaligen Wertkauf statt. Das Team bestand aus drei Beraterinnen und einem Berater, was in etwa der Geschlechterverteilung bei den Ratsuchenden entsprach.

(Bild rechts v.l.n.r.: Inge Michels, Volker Töneböhn, Christine Miethner, Ingrid Paál)

 

Dreieichspiegel 21. November 1987
Offenbach-Post 16. April 1991
Offenbach-Post 13. Juli 1993

 

Einige Jahre war das Beratungsteam ausschließlich weiblich besetzt, bis Anfang 1993 der Autor als Mann das Team verstärkte.
(Bild rechts v.l.n.r.: Inge Michels, Ingrid Paál, Christine Miethner)

 

Im Frühjahr 1994, als absehbar war, dass das Gebäude, in dem die Beratungsräume lagen, abgerissen werden sollte, suchten wir ein neues Domizil. Da wir es in Dreieich nicht fanden, verschlug es uns nach Langen in die Bahnstraße 32, wo wir seit 1994 sitzen.

Das Sekretariat der Beratungsstelle: Ein Beratungszimmer:

 

Das Team nach dem Umzug
(Evangelische Kirchenzeitung 5. Juni 1994)

Nach dem Umzug begann eine Konsolidierungsphase, sowohl was die Teamzusammensetzung angeht als auch was die Arbeit mit den Ratsuchenden betrifft.

(V.l.n.r.: Petra Kaufmann, Ingrid Paál, Doris Kimmel, Michael Gallisch)

 

Im Jahr 2000, zum 20-jährigen Dienstjubiläum, wurde Frau Paál das Silberne Diakonieabzeichen verliehen. Dies war eine offizielle Anerkennung für ihre jahrzehntelange psychologische Beratungsarbeit, in der sie so viele Klienten gesehen hat, dass man sicherlich ein hessisches Dorf zusammenbekäme.

 

(V.l.n.r.: Ingrid Paál, Doris Kimmel, Martin Glaub, Petra Kaufmann, Dr. Dr. Jürgen Albert, Gerlinde Ravensberger)

In ihrer Arbeit wurde sie fachlich geprägt - wie wir alle - durch das Evangelische Zentralinstitut für Familienberatung, das seinen Sitz in Berlin hat und bundesweit Eheberaterinnen, Erziehungsberaterinnen, Mediatorinnen, Sexualberaterinnen, Pastoralpsychologinnen, Schwangerschaftskonfliktberaterinnen, Supervisorinnen und ihre männlichen Pendants ausbildet und seriöse Kompetenz in der evangelischen Beratungsarbeit fundiert.

Daneben - für Frau Paál und auch für uns wegweisend - ist die Zentralstelle für Beratung und Supervision in Frankfurt am Main (nun integriert ins Zentrum für Seelsorge und Beratung) zu nennen, die für die Psychologische Beratungsarbeit und Supervision der EKHN zuständig ist und Kompetenzentwicklung garantiert, wobei unsere Ansprechpartnerin Barbara Schneider, die auch im Beirat unserer Psychologischen Beratungsstelle sitzt, eng mit Frau Paál zusammenarbeitete.

Prägend waren sicherlich auch Ausbildungen bei dem „Vater" der Systemischen Familientherapie in Deutschland, Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin. Desgleichen spielten bei unseren Konzepten und dem praktischen Vorgehen mit Familien auch die Erkenntnisse des „Vaters" der tiefenpsychologischen Familientherapie, Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter, eine große Rolle.

 

Beeindruckend waren die Schilderung von Frau Paál zu Ausbildungseinheiten in Kalifornien bei Prof. Dr. Paul Watzlawick, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem bekannten Psychoanalytiker Dr. Janos Paál, absolvierte.

 

Regelmäßige Supervisionen erhielt sie bei Prof. Dr. Stavros Mentzos, dem emeritierten Psychiatrieprofessor der Goethe-Universität in Frankfurt, bei dem sie psychosenahe Beratungsfälle vorstellte.
Fortbildungen und Supervisionen bei Prof. Dr. Peter Fürstenau, psychoanalytisch-systemischer Therapeut aus Düsseldorf, befruchteten das ganze Team, da die Kollegin ihre Eindrücke, Erkenntnisse, Wahrnehmungen und erweiterten Kompetenzen an das Team weitergab.

 

Während der Vielzahl von Einzelberatungen, Paarberatungen und Familienberatungen alleine oder mit Kollegen, führte Frau Paál auch Gruppen durch, so eine Gruppe für Alleinlebende, die sie ab Herbst 1994 mit dem Autor anbot .

(Ausschreibungstext Gruppe für Alleinlebende)

 

An den Jahresberichten wirkten alle Teammitglieder mit, sei es eher in Verwaltungsarbeiten oder eher inhaltlich im Beratungsteam.

In diesem Jahresbericht 2001 verfasste Frau Paál einen Artikel über einen Schwerpunkt ihrer Arbeit, die Psychologische Beratung älterer Menschen. (siehe entsprechendes Kapitel).

Zusammen mit der Psychologischen Beratungsstelle des Kreises Offenbach aus Dreieich gründete sie die Arbeitsgruppe „Recht und Beratung" mit, in der RechtsanwältInnen und RichterInnen mit BeraterInnen über Themen im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung, Kindeswohl, Umgangs- und Sorgerecht, Mediation usw. regelmäßig mehrmals im Jahr diskutierten.

Einladungsbrief zur AG Beratung und Recht
Einladungsbrief zu einer Arbeitsgruppe von Juristinnen und Juristen und Psychologischen Beraterinnen.

Ein wichtiger Punkt der Beratungsarbeit im präventiven und fallübergreifenden Sinne war das Mitwirken in der Nachbarschaftshilfe Dreieich, wobei die gute Zusammenarbeit mit Frau Deschamps hervorzuheben ist.

Neben vielen Darstellungen der Psychologischen Beratungsarbeit vor Kirchengemeinden, Synoden, Sozialausschüssen, PolitikerInnen fanden auch immer wieder öffentliche Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen statt, in denen Ingrid Paál an hervorragender Position mitwirkte. Beispielhaft seien die Podiumsdiskussion zum Thema Depression in Dreieich und die Podiumsdiskussion zum Thema Psychologische Beratung und Psychotherapie im höheren Lebensalter in Langen genannt.

Am 13. März wurde Gerlinde Ravensberger in einer kleinen Feier in der Stelle mit ausgewählten Gästen aus dem regionalen Diakonischen Werk in den verdienten Ruhestand verabschiedet.
Am 19. Juni wurde eine größere Abschiedsfeier mit auswärtigen Gästen, Reden (siehe z.B. Ingrid Jost in unserer Diakoniezeitschrift „DW-Zeitung Dezember 2001, S. 19-21), Musik und den herzlichsten Glückwünschen für das weitere Leben organisiert.

Ingrid Paál bei ihrer Abschiedsrede

Martin Glaub, der Leiter des Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau verabschiedet Ingrid Paál.

Schon vor diesem Generationenwechsel in unserer Stelle starteten wir tiefgreifende Umwandlungsaktivitäten zur Weiterentwicklung unserer Psychologischen Beratungsstelle. Um einen bedeutenden Katholiken zu zitieren: „Tradition bedeutet, das Feuer in Gang zu halten, und nicht, die Asche aufzubewahren." (Papst Johannes, XXIII). Davon soll in den nächsten beiden Kapiteln die Rede sein.

Michael Gallisch

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